Warum essen Veganer keinen Fisch?
Angelegt am: 01.04.2026
Zuletzt bearbeitet am: 01.04.2026
Veganer essen keinen Fisch, weil Fische empfindungsfähig sind und beim Fang Stress, Schmerzen und Verletzungen erleben. Angeln und Fischerei greifen stark in das Leben der Tiere ein und können erhebliche Folgen für sie haben.
Fisch gilt für viele als “leichte” Alternative zu Fleisch, Angeln wird oft als entspannendes Hobby gesehen. Sobald man genauer hinschaut, wird klar: Fischkonsum und Angeln sind nicht so harmlos, wie sie vielleicht wirken.
Fühlen Fische Schmerz?
Ein häufiges Argument lautet: “Fische spüren doch nichts”. Genau das ist jedoch laut aktuellem Forschungsstand nicht haltbar. Fische haben ein Nervensystem und Schmerzrezeptoren. Sie vermeiden Orte, an denen sie negative Erfahrungen gemacht haben und suchen Orte auf, an denen sie positive Erlebnisse hatten. Das zeigt, dass Fische ein Ausmaß an Schmerz spüren können, das ethische Berücksichtigung erfordert.
Wenn ein Fisch am Angelhaken hängt oder in einem Netz gefangen wird, erlebt er nicht “einfach nur Reize”, sondern Schmerz und Stress. Der Unterschied, den viele Menschen im Kopf machen, ist vor allem psychologisch zu begründen - weil wir Fische nicht schreien hören oder ihre Mimik nicht lesen können, unterschätzen wir ihr Empfinden. Fische leben unter Wasser, fern von unserem Alltag. Das führt dazu, dass sie moralisch oft anders bewertet werden als Landtiere - obwohl die grundlegenden biologischen Mechanismen vergleichbar sind.
➡️ Hier kannst du mehr zum wissenschaftlichen Konsens rund ums Thema “Können Fische Schmerz empfinden?” nachlesen.
Was ist das Problem an Angeln?
Angeln wird oft romantisiert - Sonnenuntergang am See, Ruhe, Erholung. Die Perspektive der Fische sieht komplett anders aus. Das gilt unabhängig davon, ob der Fisch am Ende umgebracht und gegessen oder wieder freigelassen wird.
Angeln zum Verzehr
Versetzen wir uns einmal in die Sicht des Fisches: Während er umherschwimmen will, entdeckt er einen leckeren Snack - den Köder. Als er ihn sich gerade schnappen will, durchbohrt auf einmal ein spitzer Haken den Mund oder andere Körperteile. Je nach Methode und Umgang entstehen Verletzungen, Blutungen oder Stress.

Der Fisch wird aus seiner gewohnten Umgebung gerissen, ringt nach Luft und kämpft im schlimmsten Fall minutenlang um sein Leben, bis er erschöpft ist. Will der Angler den Fisch töten (und essen), wird ihm kräftig auf den Kopf geschlagen. Anschließend erfolgt das Ausbluten durch einen sogenannten Kiemenschnitt oder ein Stich ins Gehirn.
Catch and Release Angeln
Dieser Begriff beschreibt eine Praxis, bei der ein gefangener Fisch nach dem Entfernen des Hakens wieder lebend ins Wasser zurückgesetzt wird. Was viele nicht wissen, ist, dass je nach Bedingungen ein Teil der Fische später durch Verletzungen, Infektionen oder starken Stress sterben können. Häufig wird Catch and Release Angeln praktiziert, um Fotos mit dem gefangenen Fisch als Trophäe zu machen. Fische haben empfindliche Schleimhäute, die beim Anfassen beschädigt werden können. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten und Tod zusätzlich.

Fischerei im großen Maßstab
Das Ausmaß der menschlichen Grausamkeit gegenüber Wasserbewohnern zeigt sich im kommerziellen Fischfang. Hier geraten Fische oft in große Netze, in denen sie über lange Zeit zusammengedrängt werden, sich gegenseitig verletzen und unter Sauerstoffmangel sowie extremem Stress leiden. Beim Einholen der Netze kommen Druckveränderungen hinzu, die innere Schäden verursachen können.
Viele Fische, die für den menschlichen Verzehr vorgesehen sind, leben zudem nicht frei im Meer, sondern in sogenannten Aquakulturen. Fortpflanzung wird in der Aquakultur oft vom Menschen gesteuert: Weibliche Fische werden unter Druck am Bauch „abgestreift“, sodass ihre Eier austreten, während bei männlichen Fischen durch ähnlichen Druck Sperma gewonnen wird. Beides wird anschließend gezielt zusammengeführt, sodass die Befruchtung außerhalb des Körpers stattfindet und die Eier kontrolliert in Brutsystemen weiterentwickelt werden. Die entstandenen Fische leben in hoher Besatzdichte, was Stress, Krankheiten und Verletzungen begünstigt. Fische in Aquakulturen werden meist innerhalb von etwa 1 bis 3 Jahren aufgezogen und dann geschlachtet.

Aquakultur
Die schiere Größenordnung, in der Fische im kommerziellen Fang vernichtet werden, ist nahezu unbegreiflich. Schätzungen zufolge werden weltweit jährlich etwa 1 bis 2 Billionen (= 1.000 bis 2.000 Milliarden) Fische für den menschlichen Konsum umgebracht, wobei die genaue Zahl schwer zu bestimmen ist, da Fische meist in Gewicht statt einzeln erfasst werden. Auch Tiere, die gar nicht gefangen werden sollen - darunter Delfine, Wale, Schildkröten und Seevögel - verenden in den Netzen.
Hinweis: Fisch essen und Fischfang können auch aus Umweltsicht kritisiert werden - allerdings geht es beim vegan Leben darum, Missbrauch an Tieren zu vermeiden. Deshalb fokussieren wir uns hier auf diesen Aspekt. Wenn du dich weiter über den Umweltaspekt informieren möchtest, verlinken wir dir hier einen passenden Artikel. Für die Umwelt ist es wahrscheinlich egal, wenn jemand einen Fisch im Monat aus dem Wasser zieht und isst - für die Gesundheit auch. Aber für den Fisch ist es alles andere als egal. Das ist der Grund, warum wir uns für den Veganismus entscheiden.
Ist Fisch gesund?
Fisch wird häufig als gesund dargestellt, vor allem wegen Omega-3. Grundsätzlich stimmt diese Annahme, greift aber zu kurz. Schließlich müssen wir Lebensmittel als Gesamtes betrachten, nicht nur hinsichtlich einzelner Nährstoffe. Viele Fischarten, insbesondere Meeresfische, enthalten Quecksilber oder Mikroplastik. Diese Stoffe können sich potenziell im menschlichen Körper anreichern. Das bedeutet: Selbst, wenn wir den tierethischen Punkt außen vor lassen, muss eingeräumt werden, dass auch der gesundheitliche Nutzen in einem Spannungsverhältnis zu potenziellen Risiken betrachtet werden muss.
Und es gibt vegane Alternativen: Weltweit etablierte Gesundheitsorganisationen bestätigen, dass (sofern B12 supplementiert wird) eine bedarfsdeckende und gesunde vegane Ernährung möglich ist. Theoretisch lässt sich Omega-3 vegan decken. Wir empfehlen eine Supplementierung der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, da pflanzliche Ernährung v.a. ALA liefert - also eine Vorstufe von EPA und DHA, die im Körper nur begrenzt umgewandelt werden kann.
Du bist kritisch? ➡️ FAQ: Sind Supplemente schädlich?
Fazit - Warum essen Veganer keinen Fisch?
Fisch essen ist keine neutrale Entscheidung. Fische sind empfindungsfähige Wesen mit Lebensinteresse. Einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen bedeutet für ihn akuten Sauerstoffmangel und Todesangst - vergleichbar damit, einen Hund unter Wasser zu drücken, sodass er nicht atmen kann.
Wer Fische isst, wertet sie zu Waren und Lebensmitteln ab. Auch Angeln ist kein harmloses Hobby, sondern ein Eingriff, der schwere Folgen für das Tier haben kann - selbst dann, wenn es zurückgesetzt wird.
Wer sich umfassend informiert, erkennt schnell: Fischkonsum und Angeln verdienen eine deutlich kritischere Betrachtung, als sie im Alltag oft bekommen. Mehr zum WARUM VEGAN bezogen auf Fisch erfährst du in der Doku Dominion (ab 1:22:00). Wie du dein Handeln deinen Werten anpassen und vegan leben kannst, zeigen wir dir auf WIE-VEGAN.COM 🤝
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