Was ist das Problem mit Eiern?
Angelegt am: 17.03.2026
Zuletzt bearbeitet am: 17.03.2026
Eier erscheinen auf den ersten Blick harmlos - hier ein bisschen im Kuchen, dort ein Frühstücksei. Doch wenn man hinter die Kulissen der Eierproduktion blickt, findet man ein erschreckendes Missbrauchssystem vor. Zudem ist es ein Irrglaube, dass nur wegen Fleisch Tiere im Schlachthaus landen. Aber eins nach dem anderen:
Warum legen Hühner Eier?
Im Körper weiblicher Hühner entstehen Eizellen, die mit Nährstoffen und einer Schale zum Ei aufgebaut werden. Dieser Prozess läuft auch ohne Befruchtung regelmäßig ab. Nur wenn eine Eizelle vorher von einem Spermium befruchtet wurde, enthält das Ei einen Embryo. Wird ein befruchtetes Ei ausgebrütet, entwickelt sich daraus ein Küken.
So weit, so gut - und wo liegt das Problem?
Die Zucht
Um die Produktion von Eiern überhaupt zu ermöglichen, werden sogenannte Elterntiere gehalten - also Hähne und Hennen zusammen. Die befruchteten Eier werden den Tieren genommen und in Brütereien ausgebrütet. Das Ziel ist, immer neue Legehennen nachzuzüchten und die Maschinerie am Laufen zu halten.
Neben den häufig beengten Haltungsbedingungen kann auch die Paarung selbst vor allem für die weiblichen Tiere sehr belastend sein. Die Hähne halten sich währenddessen mit Krallen und Schnabel am Rücken der Hennen fest, was zu Federverlust, Hautverletzungen und offenen Wunden führen kann. Oft werden die Hennen mehrmals am Tag bestiegen. In großen Beständen können sie den Annäherungsversuchen männlicher Tiere kaum ausweichen, was Verletzungen begünstigt.
Das Kükentöten
Hühner werden auf zwei Nutzungsrichtungen gezüchtet: Legehennen, die viele Eier legen und Masthühner, die schnell Fleisch ansetzen. Männliche Küken aus der Legehennenzucht können weder Eier legen noch viel Fleisch ansetzen. Deshalb gelten sie als “nutzlos”. Lange Zeit wurden männliche Küken deshalb auch in Deutschland direkt nach dem Schlüpfen in den Kükenschredder geworfen oder vergast.

Mittlerweile ist das Kükentöten hierzulande verboten - das bedeutet jedoch nicht, dass das Problem weg ist.
In der Regel wird in Deutschland das Geschlecht der Embryonen im Ei bestimmt. Männliche Embryonen werden aussortiert. In seltenen Fällen werden die sogenannten Bruderhähne etwa 3-4 Monate lang aufgezogen und dann für Fleisch ermordet.
Hinzu kommt, dass etwa ein Viertel der in Deutschland verzehrten Eier (das sind jährlich rund 5 Milliarden Stück!) aus Ländern wie den Niederlanden und Polen importiert werden, wo das Kükenschreddern und -vergasen nach wie vor erlaubt sind. Auch wurden 2023 über 3,5 Millionen Küken aus Deutschland in diese Länder gebracht. Was dort mit ihnen passiert, ist offiziell nicht erfasst, aber durchaus denkbar. Die Zahl der Exporte hat sich übrigens seit dem Tötungsverbot in Deutschland 2022 fast verdoppelt (Quelle: Geflügelnews). In Österreich und der Schweiz ist das Kükenschreddern verboten - das Vergasen darf aber aktuell weitergeführt werden.
Das Leben einer Legehenne
Die weiblichen Küken werden zu sogenannten Legehennen aufgezogen. Sie sind so gezüchtet, dass sie extrem viele Eier legen - weit mehr als ihre Vorfahren. Während ein wildes Huhn etwa 10 bis 20 Eier pro Jahr legt, sind es bei Legehennen um die 300! Diese maximale Leistung geht häufig mit gesundheitlichen Problemen wie starker körperlicher Erschöpfung, Knochenbrüchen durch Calciumverlust und Entzündungen des Legedarms und der Kloake einher.
Dazu kommt, dass Hühner unabhängig von der Haltungsform meist in sehr großen Gruppen leben. Dadurch kommt es zu Stress und Rangkämpfen, Federpicken und Kannibalismus sowie sich verbreitenden Krankheiten.
Wenn ein Stall von meldepflichtigen Krankheiten wie der Vogelgrippe betroffen ist, werden alle Hühner darin ermordet, um die Ausbreitung zu stoppen. Standardmethoden dafür sind Vergasen mit CO2 oder Stickstoff und Ersticken mit Schaum. Die Kadaver werden dann in Containern gesammelt. Berichte von Kontrollen zeigen, dass dabei teilweise auch noch lebende Tiere unter den Kadavern gefunden wurden.
Mehr zu dem Horror, den die Hühner durchmachen müssen, erzählt Raffaela hier:
Während Hühner eigentlich mindestens 8 bis 10 Jahre leben könnten, landen sie in der Realität nach etwa 12 bis 18 Monaten am Schlachthof. Der Grund ist simpel: Die Legeleistung sinkt mit der Zeit. Sobald eine Henne weniger Eier legt, gilt sie als unprofitabel und wird durch jüngere Tiere ersetzt.
Am Ende finden sich die Legehennen als Suppenhühner, Wurstprodukte oder Fertiggerichte auf den Tellern wieder. Wer also glaubt, dass für Eier keine Tiere sterben und der Konsum von Eiern nichts mit der Fleischindustrie zu tun hat, dürfte hiermit eines Besseren belehrt sein.
Du willst dich mit eigenen Augen überzeugen? Schau die Doku DOMINION! 📺 Ab Minute 23 geht es um Legehennen.
Kann man ohne Eier leben?
Eier werden vor allem als Proteinlieferant gesehen. Tatsächlich sind sie aber nicht notwendig, um Proteine zu bekommen und sich gesund zu ernähren. Protein findet sich auch in vielen pflanzlichen Lebensmitteln wie Tofu, Tempeh, Seitan, Erbsenschnetzeln und Hülsenfrüchten. In unserem Protein-Guide erfährst du mehr über vegane Proteinquellen 💪
Insgesamt ist der Konsens großer Ernährungsfachgesellschaften, dass eine vegane Ernährung ohne Eier unter Supplementierung von Vitamin B12 bedarfsdeckend und gesund sein kann. Spannend ist außerdem, dass auch Hühnern einige Vitamine und Mineralstoffe wie Calcium supplementiert werden. Wir nehmen also sowieso Nahrungsergänzungsmittel zu uns - die Frage ist nur, ob wir es über ein Tier tun oder sie einfach selbst nehmen und vegan leben.
Sind Eier gesund?
Wie in unserem Studien-Dokument ausführlich beschrieben, zeigen Substitutionsanalysen im Allgemeinen keine konsistent reproduzierbaren Vorteile von tierischen Proteinen inkl. Eiern gegenüber "vollwertigeren" pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide oder Sojaprodukten. Das bedeutet: Wenn man tierische durch pflanzliche Proteine ersetzt, zeigen Studien keinen klaren, wiederholt bestätigten Vorteil für die tierischen Produkte. Es gibt keine konsistenten Belege dafür, dass tierische Proteine pflanzlichen grundsätzlich überlegen sind.
Zudem kann das Cholesterin in Eiern für einen beachtlichen Teil der Gesellschaft (sog. Cholesterin Hyperresponder; grob 1/3 der Bevölkerung) stark das LDL erhöhen. Hohe LDL-Werte sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Mehr dazu hier:
Eier ersetzen vegan
Eier vegan ersetzen funktioniert viel einfacher als viele denken. Welcher Eiersatz am besten geeignet ist, hängt vom Verwendungsgebiet ab. Mit ein paar einfachen Tricks lassen sich Eier sowohl beim Kochen als auch beim Backen problemlos ersetzen:
Für veganes Rührei kannst du Tofu verwenden. Ein veganes Omelette kannst du dir aus Kichererbsenmehl machen. In beiden Fällen ist Kala Namak Schwefelsalz die Geheimzutat für einen authentischen Ei-Geschmack 🥚✅
Zum Backen ohne Eier eignen sich Apfelmus und Banane für die Feuchtigkeit sowie Leinsamen oder Chiasamen (in Wasser gequollen) für die Bindung. Auch fertige vegane Ei-Alternativen (besonders für Rührei oder zum Backen) sind mittlerweile in vielen Supermärkten erhältlich. Damit ist pflanzliche Ernährung im Alltag noch leichter umzusetzen.

Tofu-Rührei
Fazit
Die Produktion von Eiern basiert darauf, gezielt möglichst “leistungsfähige” Tiere zu züchten, männliche Küken aus dem Weg zu räumen und auch die Legehennen nach kurzer Zeit zu ermorden. Hinter jedem gekauften Ei steht ein System, das die empfindungsfähigen Tiere als Produktionsstätten abstempelt.
Indem wir vegan leben, entscheiden wir uns bewusst dagegen, dieses System zu unterstützen. Die gute Nachricht: Wir können ohne Eier leben und es gibt wirklich gute vegane Alternativen und pflanzliche Proteinquellen. Um dich bei der Umsetzung an die Hand zu nehmen, haben wir auf WIE-VEGAN.COM alle wichtigen Infos zusammengestellt 🤝
Hier erklären dir Raffaela und Tobi das Problem mit Eiern und vegane Alternativen optisch schön und übersichtlich aufbereitet:
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