Ist „cruelty free“ dasselbe wie vegan?

Angelegt am: 02.10.2026
Zuletzt bearbeitet am: 03.10.2026

Nein. „Cruelty free“ oder „tierversuchsfrei“ heißt nur: keine neuen Tierversuche ab einem Stichtag. Über die Inhaltsstoffe sagt das nichts. Ein Produkt kann das Leaping-Bunny-Siegel tragen und trotzdem Karmin enthalten, einen roten Farbstoff aus zerstoßenen Schildläusen. Oder Lanolin aus Schafwolle, Bienenwachs, Kollagen oder Keratin. Leaping Bunny sagt das selbst: „Wir sind kein Vegan-Zertifizierer.“

Umgekehrt gilt dasselbe. „Vegan“ auf der Packung heißt: keine tierischen Inhaltsstoffe. Ob das Produkt oder seine Rohstoffe an Tieren getestet wurden, hängt vom jeweiligen Siegel ab, nicht vom Wort.

Keiner der beiden Begriffe ist rechtlich geschützt. „Cruelty free“ darf jeder draufschreiben. Ein veganes Produkt im Sinne von Veganismus braucht beides: keine tierischen Inhaltsstoffe und keine Tierversuche. Für das Tier macht es keinen Unterschied, ob es als Werkzeug im Labor oder als Rohstoff im Lippenstift benutzt wurde.

Woran du es erkennst: Die Inhaltsstoffliste (INCI) verrät dir Karmin (CI 75470), Lanolin, Cera Alba (Bienenwachs), Kollagen, Keratin und Seide (Serica). Für Tierversuche brauchst du ein Siegel, das Lieferanten tatsächlich prüft, oder eine klare Aussage der Marke, ob sie für andere Märkte testen lässt.

Drei Dinge, die dazu oft gefragt werden: In der EU sind Tierversuche für Kosmetik seit 2013 verboten, mit oder ohne Hase auf der Packung. Über das Chemikalienrecht REACH kann die EU trotzdem Tierversuche an Kosmetikstoffen verlangen, und Tests für andere Märkte verhindert das Verbot nicht generell. Das Argument „die Marke verkauft nicht in China“ trägt kaum noch, weil China seine Testpflichten seit 2021 stark gelockert hat. Und von den Siegeln prüft nur Leaping Bunny die Lieferanten, PETA verlässt sich auf eine Selbstauskunft.

Die ausführliche Einordnung mit allen Quellen: Was die Label wirklich bedeuten.

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